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etwas zu uns

In der Bildungsprotestbewegung tauchen unterschiedliche Standpunkte auf, die sich teilweise entgegen stehen. Schlagworte wie „Bildung als Ressource“, „Standortlogik“ und „Ökonomisierung der Bildung“ seien hierzu nur beispielhaft genannt, in denen sich die Widersprüchlichkeiten niederschlagen. Diese Umstände haben uns dazu gebracht, nicht nur an Protesten teilzunehmen, sondern nun auch selbst mit eigenen Beiträgen in aktuellen Debatten emanzipatorische Inhalte beizusteuern.

Wir finden es gut, dass die BesetzerInnen des Musiksaals sich als Zusammenschluss von Individuen verstehen und sich das Plenum nicht einer Gruppe unterordnet. In diesem Sinne bringen wir uns auch als Individuen ein. Das „Kompetenzzentrum Bummelstudium“ als Gruppe ist nicht Teil dieser Bewegung. Uns ist die Eigenständigkeit in der inhaltlichen Auseinandersetzung wichtig, was in unseren Augen keinen Widerspruch darstellt. Allgemein sehen wir die Interaktion von mehreren Gruppen anstatt der Bildung einer Einheitsbewegung nicht als lähmend an, sondern im Gegenteil als Voraussetzung eines kritischen Pluralismus. Damit wird zum einen das thematische Blickfeld erweitert und zum anderen die Gefahr der Verklärung des eigenen Handelns reduziert.

Wir wollen nicht darauf vertrauen, dass unsere Forderungen, als Wünsche wahrgenommen, Erfüllung finden. Einem solchen Obrigkeitsdenken setzen wir selbstbestimmtes Handeln entgegen. Deshalb wahren wir zu Diskussionen um Gestaltungen innerhalb der bestehenden Strukturen eine kritische Distanz und möchten statt dessen einen erweiterten Blick auf diese im gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang werfen und sie hinterfragen.

Besetzung an der Universität des Saarlades

Nach der Demonstration zum Bildungsstreik in Saarbrücken haben laut dem Bündnis gegen Studiengebühren ca. 40 Studenten den Musiksaal der Uds (Geb. C5 1) besetzt. Die Gruppe hat sich an diesem Abend nach der Demonstration zum bundesweiten Bildungsstreik spontan gebildet und ruft dazu auf, sich dem Protest für ein freies Bildungssystem anzuschließen.

mehr unter: http://freiebildungsaar.blogspot.com/

Bildungsstreik Demo 17.11 in Sb

Am heutigen Dienstag haben zeitweise bis zu 250 Menschen in Saarbrücken an der Demonstration zum Bundesweiten Bildungsstreik teilgenommen. Bei Nieselregen und seltsam anmutender Klassischer Musik zogen die DemonstrantInnen vom St. Johanner Markt am Landtag vorbei, wo eine erste Zwischenkundgebung gehalten wurde. Weiter gings in Richtung Landwehrplatz, von wo aus der Weg zurück zum St. Johanner Markt mit kurzem Stopp am Rathaus St. Johann wieder aufgenommen wurde. Neben dem aufrufenden Bündnis gegen Studiengebühren und selbstverständlich dem Kompetenzzentrum Bummelstudium beteiligten sich verschiedene andere Organisationen wie etwa Ver.di, DGB, GEW und Die Linke. Außerdem wurden einige Schwarzrote Fahnen gezeigt.

Inhaltlich ging ein Großteil der Beiträge lediglich auf die Rolle der Bildung als berufsqualifizierende Maßnahme ein und forderte ein möglichst reibungsloses Studium durchführen zu können, um schnell und effektiv seine Ware Arbeitskraft anzubieten. Außerdem forderte man die PolitikerInnen zum Handeln auf. Schließlich sei in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland eine gute (Aus-)Bildung die einzige Möglichkeit, sich auch weiterhin an der Spitze des Weltmarktes zu behaupten. Wer etwa Steinkohle und ausgebildete Menschen gleichsetzt, hat die Phrase vom „Humankapital“ bereits vollends verinnerlicht. Die Ablehnung von Langzeit- und Zweitstudiumsgebühren wurden damit begründet, dass erweiterte Qualifikationen durchaus nötig sein könnten, um sich am Arbeitsmarkt durchzuboxen. Wir hingegen sehen Lernprozesse im Allgemeinen und Studium im Besonderen nicht als bloße Vorbereitung auf das Berufsleben, sondern als unabdingbaren Schlüssel zur Entstehung einer emanzipierten und freien Gesellschaft, egal wie lange sie dauern.

Allein im bundesweiten Vergleich muten inhaltliche sowie personelle Ausformungen des Bildungsstreiks eher schwach an. Trotzdem ist es natürlich wichtig, Möglichkeiten und Anknüpfungspunkte für einen Protest zu organisieren und so Alternativen zur derzeitigen Bildungspolitik zuzulassen und publik zu machen. Wir unterstützen natürlich auch weiterhin das Bestreben des Bündnis gegen Studiengebühren die derzeitige Situation zu verändern, wollen aber mit unseren Beiträgen auch andere Wege für eine „Kritik am Bildungsstandort Deutschland“ aufzeigen.

Wir als Kompetenzzentrum Bummelstudium treffen uns am Montag, den 14.12.09 um 18:30 Uhr im Gasthaus Dr. HC (Blumenstraße 23), um mit eventuell Interessierten Möglichkeiten, Ansätze und Perspektiven zu besprechen.

Flugblatt zur Demo am 17.11.2009 in Saarbrücken

Schön, dass Du den Arsch hochbekommen hast. Jetzt stehen wir hier und demonstrieren.
Und wogegen eigentlich?
Vermutlich stören Dich Dinge wie:

- die Einführung des Bachelor-/Mastersystems
- zu große Schulklassen / überfüllte Seminare
- undemokratisch bestimmte Lerninhalte
- soziale Auslese schon im Kindergarten
- Studiengebühren

Aber wen und was willst Du erreichen? Und ist es damit getan?
In den vergangenen Monaten, vor allem in der heißen Wahlkampfphase, wurde von unterschiedlichsten Gruppierungen, Einzelpersonen und Bündnissen bereits versucht, den zukünftigen Regierungsparteien Zugeständnisse abzuringen. Wie erfolgreich diese Versuche der Einflussnahme im Saarland waren und sind sei dahin gestellt. Aber angesichts der Polit-Possen der letzten Wochen, die sicherlich einen hohen Unterhaltungswert gehabt haben, stellt sich einmal mehr die Frage, inwiefern ein Versuch parteipolitischer Einflussnahme sinnvoll ist. Der derzeitige Koalitionsvertrag sieht eine komplette Abschaffung der Studiengebühr jedenfalls nicht vor.
In unseren Augen macht es auch keinen großen Unterschied, wer letztendlich in Regierungsverantwortung steht und sich auf „Sachzwänge“ stützt, um Kürzungen jeglicher Form zu rechtfertigen. Denn das Vertrauen auf den Staat als Fürsorger und Garant für Wohlstand, der einem schwere Entscheidungen abnimmt, bedeutet nicht nur Selbstentmündigung und Selbstdisziplinierung, sondern verhindert gleichsam die Emanzipation einer Gesellschaft freier und selbstbestimmter Individuen. Deshalb werden wir keine Lobbyarbeit bei Regierungs- bzw Möchtegernregierungsparteien machen. Dies läuft zwangsläufig darauf hinaus die eigenen Interessen im Ringen um Zugeständnisse gegen andere Interessenverbände durchzusetzen. Wir halten es hingegen für notwendig, eine Kritik an den Verhältnissen, welche die „Sachzwänge“ hervorbringen, zu formulieren. Die moderne Gesellschaft produziert bisher nie dagewesenen Reichtum, dennoch wird ständig suggeriert wir müssten den Gürtel enger schnallen, es gäbe nichts oder nur noch wenig zu verteilen. Wir wollen uns nicht im Hauen und Stechen um die paar Krümel, die vom Tisch fallen, aufreiben. Uns geht es um den ganzen Kuchen, die Bäckerei und das verdammte Rezept!
Für uns ist nicht entscheidend, ob es dem Wirtschaftsstandort Saarbrücken zuträglich ist, wenn hier Studiengebühren kassiert werden oder nicht, sondern wie sich ein freies, für alle zugängliches Bildungssystem fernab von Vermittlung der unkritischen, vorherrschenden Meinungen und der Vorbereitung auf die Verwertung auf dem Arbeitsmarkt etablieren lässt.

Selbstverständlich stehen die eigenen Interessen an einer halbwegs guten Aus-Bildung, um auf dem Markt überleben zu können, dem Ideal einer freien Bildung und Forschung gewissermaßen zwangsläufig entgegen. Dieser Gegensatz ist allerdings kein natürlicher, vielmehr entspringt er der Logik der marktwirtschaftlichen Ökonomie. Zeit ist Geld und deshalb ist es notwendig, die marktreifen Arbeitskräfte in immer schnellerem Tempo und mit möglichst unkritischer Weltanschauung dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen. Der Blick aufs Ganze darf jedoch nicht verloren gehen. Ein Studium sollte nicht nur danach bewertet werden, ob es vermeintlich die Berufschancen verbessert, sondern auch ein Freiraum zur individuellen Entfaltung der Persönlichkeit sein.

Wir setzen daher auf Autoorganisation und Selbstbestimmung. Wir wollen uns nicht mit der Frage beschäftigen, wie den Sachzwängen innerhalb dieser Verhältnisse besser entsprochen werden kann. Vielmehr stellen wir das gesamte Gesellschaftssystem in Frage, welches diese Zwänge fortwährend reproduziert.

selber lernen, selber denken, selber handeln!
für ein selbstbestimmtes und schönes Leben!